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Jugendkunstprojekt "Wildstyle"

von Birgit Krämer


Wenn „Ultravogel“ und andere Kunstwesen auf Menschenaffen treffen ...

Großer Erfolg für das Jugendkunstprojekt „Wildstyle“

Tobias ist stolz auf sein großes Bild mit Fisch im Meer, das jetzt an der Wand im Ausstellungsraum des neu errichteten Borgori-Waldes im Frankfurter Zoo hängt. Heute am 7. Juni 2009 ist Vernissage des Jugendkunstprojektes „Wildstyle“ des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks  und die meisten jugendlichen Künstler sind anwesend, um ihre Bilder bewundern zu lassen und Fragen zur Interpretation zu beantworten.

Neben den Wänden mit den 12 großformatigen bunten Bildern geht der Blick direkt durch zwei bis zum Boden reichende große Sichtfenster einmal in die Bonobo-Anlage und einmal in das Terrain der Orang-Utans. Von der anderen Seite schauen die kleinen Menschenaffen neugierig in den Ausstellungsraum, bevor sie wieder flink an Bäumen und Hängeleitern hangeln.

14 Kinder und Jugendliche viele mit Migrationshintergrund – Gymnasiasten, Haupt- und Förderschüler, drei geistig behinderte Jugendliche – haben über zweieinhalb Monate in einem  wöchentlichen Workshop Zeichnungen von Kindergartenkindern auf zwei mal zwei Meter große Leinwänden vergrößert und mit eigenen Motiven ergänzt. Vorgabe war, dass die Leinwände einfarbig grundiert und sämtliche Farben selbst hergestellt wurden. Mit Projektoren wurden die Zeichnungen der Kinder auf die Leinwände übertragen und je nach Wunsch mit eigenen Motiven collagiert. Die Werke haben so fantasievolle Titel wie „Libellenhasenamöben“, „Goldener Hase taucht suchend zu ihnen hinab“, „Ultravogel“ oder „Monsta Virus“. Entstanden sind eindrucksvolle Bilder, manche überschwänglich bunt, andere eher verhalten farbig.

Tobias (18 Jahre) kam im Windschatten seines Betreuers „Bobby“ vom Cebeef zum ersten Termin des Kunstprojektes eher zögerlich und lustlos in die weiträumigen Atelierräume des Jugendladens Bornheims in der Naxoshalle, Frankfurt zum ersten Termin. Eigentlich interessiert er sich nur für Fußball und hatte anfangs gar keinen Bock irgendetwas zu Malen. Das teilte er auch gleich den verantwortlichen Künstlern Dominikus Landwehr und Balász Vesszösi, die ihn eingeladen hatten. Langsam fand er jedoch Zugang zu Dominikus, dem „Boss“, der ihn auch erst einmal gewähren ließ. Tobias gefiel schon bald die ungezwungene Atmosphäre, es gab was zu Machen im weißen Malerkittel, man musste nicht dauernd reden oder zuhören und außerdem war Bobby ja immer an seiner Seite – quasi sein Assistent. Da brauchte er mit den anderen Jugendlichen erst mal nicht zu reden. Irgendwann fand Tobias dann auch seine Vorlage aus den vielen Kinderzeichnungen – ein bunter Fisch. Zum nächsten Termin würde er allerdings bestimmt nicht mehr kommen. Aber er blieb dann doch bei der Sache, mit Unterstützung von Bobby. Das Bild wurde ein Gemeinschaftsprojekt der Beiden und nahm immer mehr Gestalt an. Auf der Vernissage wurde das Kunstwerk dann von Freunden und Familienmitgliedern bewundert.

Dominikus Landwehr, Leiter des Projektes, erläuterte den Journalisten, „dass kein freies malerisches Gestalten, sondern ein klares Bildprogramm vermittelt werden sollte“. Die Jugendlichen sollten auf dem teuren Material nicht nur „künstlerisch konsumieren“ sondern auch Verantwortung für die Vorlagen der Kinder übernehmen. Diese Intention sieht man den Bildern an. Projektpartner waren der Jugendladen Bornheim, der Club der Behinderten und ihrer Freunde (Cebeef), die Helmholtz-  und die Wallschule, ein Schülertreff und der Kindergarten der Johannisgemeinde Bornheim. Die Trägerschaft für dieses Projekt übernahme der DAJW unter dem Vorsitz von Prinzessin Maniema Krempin, Honorarkonsulin der DR Kongo in Frankfurt.

Die drei Jugendlichen mit unterschiedlichen Einschränkungen waren von Anfang an selbstverständlich in das Projekt integriert und mit großem Eifer dabei. Tobias wurde in der letzten Herstferien-Woche zu einem neuen Kunstprojekt eingeladen. Aber Bobby steht ihm nicht mehr zur Verfügung, er muss jetzt in irgendeiner Bank arbeiten. Ohne seine Begleitung ist es uncool dort hinzugehen.

Quellen: Artikel Frankfurter Rundschau vom 08.06.09 und Wochenblatt Nr. 24 vom 11.06.09

Birgit Krämer

 

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