Logopädie
Was können Logopädinnen für Kinder tun, die vom Fragilen-X Syndrom betroffen sind?
Logopäden/innen arbeiten interdisziplinär in sozialpädiatrischen Zentren und Frühförderstellen (SGB IX) sowie in freier Praxis und sind für die Beratung von Eltern, die Durchführung der logopädischen Diagnostik und Therapie tätig. Was bedeutet dies für Sie als Eltern eines Kindes, bei dem das Fragile-X Syndrom diagnostiziert worden ist?
Beratung/Prävention
Die Beratung von Eltern umfasst Informationen zur Sprachentwicklung, dem aktuellen Entwicklungsstand des Kindes, den diagnostizierten Störungen und dem auf der Grundlage der Diagnostik erstellten Therapieplan.
Beim Fragilen-X Syndrom wird die Verzögerung der Sprachentwicklung relativ häufig erst ab dem 2.- bis 3. Lebensjahr erkennbar. Eltern werden, unabhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung dahingehend beraten, wie sie den Spracherwerb ihrer Kinder gezielt unterstützen können. Je nach Situation kann auch ein Elterntraining, z.B. das Hanen-Programm, das spezifisch für Eltern mit behinderten Kindern entwickelt worden ist, empfohlen werden.
Logopädische Diagnostik
Zunächst ist sicherzustellen, dass das Kind keine Hörstörung hat, dies ist in der Regel Teil der interdisziplinären Diagnostik einer Frühfördereinrichtung. Die Logopädin untersucht das Kind, indem sie sich zunächst ein Bild von seinen kommunikativen (sprachlichen) Fähigkeiten in einer Spielsituation macht. Dann werden mit Hilfe ausgewählter Prüf- und Testverfahren die Bereiche Kommunikationsfähigkeit, Sprechrhythmus und Poltern, orale und verbale Dyspraxie/Mundmotorik, Sprachproduktion näher untersucht. Die spezifischen Aufmerksamkeits-/, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme werden bei der Auswahl und Durchführung der Verfahren entsprechend berücksichtigt.
Logopädische Therapie
Ausgangspunkt der Therapie sind die Interessen und Probleme des Kindes. Die Inhalte der logopädischen Therapie ergeben sich unmittelbar aus dem logopädischen Befund, der mit den Eltern vor Beginn der Therapie besprochen wird. Die Eltern erhalten kontinuierlich Einblick in den Verlauf der Therapie, das heißt sie werden über Fortschritte und Veränderungen in der Therapieplanung informiert. Am Ende einer Therapiephase wird ein Abschlussbefund erstellt, aus dem hervorgeht, ob die Therapie abgeschlossen ist oder aber fortgesetzt werden sollte.
Nachfolgend sind für unterschiedliche Therapiebereiche Hinweise zu inhaltlichen Schwerpunkten und möglichen Therapieansätzen zusammengestellt worden:
Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit
Ziel ist es, den Kindern Dialogkompetenzen zu vermitteln, d.h. sie lernen z.B. den Einsatz von Redekategoien wie z.B. Frage-Antwort. Die Produktion von Perserverationen, d.h. dem Beharren auf einer Äusserung, oder auch der Produktion von Echolalien (Nachsprechen vorgesagter Wörter oder Phrasen) kann mit Hilfe Video gestützter Rollenspielarbeit bearbeitet werden.
Sowohl bei der Anbahnung expressiver Sprache als auch im Bereich Sprechrhythmus und Poltern wird die Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit bei der Arbeit berücksichtigt, indem die Therapieumstände so gestaltet werden, dass sie eine Verbesserung der kommunikativen Kompetenzen unterstützen.
Störung der expressiven Sprache (Sprachproduktion)
Mit Hilfe visueller Stimuli (Realgegenstände, Bilder) und einer handlungsbezogenen Therapiegestaltung (z.B. „HOT -handlungsorientierte Therapie“ nach Weigl oder Sprachanbahnung nach Zollinger) kann der Einsatz von Sprache in unterschiedlichen (Spiel)Kontexten stimuliert werden. Des weiteren können je nach Ausprägungsgrad der Störung auch Verfahren zur unterstützen Kommunikation Anwendung finden.
Sprechrhythmus und Poltern
Die Vermittlung der prosodischen Merkmale und einer angemessenen Sprechgeschwindigkeit kann z.B. mit Hilfe von Körperbewegungen angebahnt werden.
Orofaziale Störung (Störung der Mundmotorik): Therapietechniken wie z.B. Orofaziale Regulationstherapie nach Castillo-Morales können hier eingesetzt werden; andererseits können Eltern bezüglich Hilfsmittel und Wege zur Gestaltung der Esssituation angeleitet werden.
Weitere Informationen zur Logopädie finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl) unter der Webadresse www.dbl-ev.de.




